Tipps für Hochzeitsgäste

So heiratet man rund um die Welt

Andere Länder, andere Sitten. Auf einer fremdländischen Hochzeit tritt man schnell von einem Fettnäpfchen ins nächste. Hier findest du deinen Guide, mit dem du zum besten aller Hochzeitsgäste wirst.

09:18 Uhr, 20. Juli 2020

Zu Gast auf einer Hochzeit in einem anderen Land kann man sich leicht blamieren ©Anek

Heiraten in China

Traditionell wird in China in Rot geheiratet – die Farbe des Glücks. Heutzutage vermischen sich bei den meisten chinesischen Hochzeiten jedoch westliche und chinesische Bräuche. Die Zeremonie wird für gewöhnlich in einem Restaurant, Hotel oder bei einer eigenen Hochzeitslocation abgehalten. Während die Speisen serviert werden, geht das Paar von Tisch zu Tisch um mit den Gästen anzustoßen – hier müssen die frisch Vermählten ihre Trinkfestigkeit unter Beweis stellen! Geldgeschenke sind nicht nur willkommen, sondern üblich. Diese werden in einem roten Umschlag überreicht. Du solltest dabei mindestens 102 Yuan schenken und ungerade Beträge – diese gelten als Glücksbringer. Wundere dich nicht, wenn der Umschlag direkt vor dir geöffnet wird und die Summe sowie dein Name danach in einer Liste eingetragen werden. Bei deiner Hochzeit wird dir Betrag wieder zurückgeschenkt. Wird weniger geschenkt, bestünde die Möglichkeit, das Gesicht zu verlieren. Gehörst du zu den engsten Freunden, wirst du nach der Feier vermutlich mit ins Hochzeitszimmer eingeladen. Sofern das Paar noch keine eigene Wohnung hat, wird es sich dabei um ein Hotelzimmer handeln. Der Brauch „Spaß im Hochzeitszimmer“ stammt noch aus der Zeit, aus der Ehen arrangiert wurden und man durch Spiele die Hemmungen des Paares lindern wollte. Heute geht es dabei nur mehr um Spiel und Spaß – Schabernack ist während der Spiele erlaubt und erwünscht!

Traditionell wird in China in Rot geheiratet © Chayathorn


„Hai, hoshii desu yo“ – Ich will á la Japan

Im traditionsreichen Land Japan gibt es gleich einige Gelegenheiten, bei denen ein Nichtwissender unangenehm auffallen kann. Das beginnt schon bei der Beantwortung der Hochzeitseinladung. Diese wird für gewöhnlich ziemlich kurzfristig verschickt – zirka zwei Monate vor der Hochzeit, plus/minus ein paar Wochen. Dem Schreiben wird eine Karte für die Antwort bereits beigefügt – halte für diese den formellen Stil der Einladung bei. Bei der Antwort gilt es, klar und deutlich anzugeben, ob man kommt. Außerdem darfst du vor dem Absenden nicht vergessen das „yuki“ (senden an) durchzustreichen und stattdessen „sama“ (Frau und Herr) unter die Adresse des Brautpaares zu setzen. Auf der Hochzeit wundere dich nicht über die Sitzordnung. Diese ist genau umgekehrt wie im europäischen Raum. In Japan sitzen Vorgesetzte und Arbeitskollegen am nächsten zum Brautpaar, darauf Freunde und Brautjungfern und zu guter Letzt die Verwandten.

Bei der Feier selbst musst du dir keine Sorge machen, etwas nicht zum richtigen Zeitpunkt zu machen. Du wirst durch den ganzen Abend bugsiert werden – die Gastgeber machen es auch deutlich, wann es Zeit wird zu gehen. Wundere dich nicht, über einen kurzen Empfang – diese dauern in Japan in der Regel nie länger als zwei Stunden. Etwas überraschend für dich mag das Thema Gefühle sein – im Gegensatz zu den meisten anderen Lebensbereichen ist es auf Hochzeitsempfängen gewöhnlich und gesellschaftlich toleriert, den Emotionen freien Lauf zu lassen. Sprich: zu weinen. Als Geschenk bringe dem Hochzeitspaar Geld mit in einem speziellen Umschlag, dem sogenannten shūgi-bukuro. Achtung – die Scheine sollten nicht alt und zerknittert sein, sondern neu. Diese kannst du aus einer Bank holen.

Nach dem Hochzeitsempfang tun sich jüngere Gäste meist zur After-Party zusammen. Dafür wird für gewöhnlich eigens ein „Eintrittsgeld“ bezahlt. Gehörst du zu den engsten Freunden, wirst du das Hochzeitspaar vermutlich jedoch erst bei der After-After-Party wirklich zu Gesicht bekommen. Dem „Sanjikai“. Dort herrscht gemütliche Atmosphäre und ihr habt Zeit, um euch zu unterhalten.

Japanische Hochzeiten sind normalerweise straff geplant © vacancylizm


Familiäre Hochzeit in der Türkei

Wenn du schon österreichische Hochzeiten pompös und extravagant findest, warst du noch nie auf einer türkischen. Die Braut erstrahlt wie eine Prinzessin, die Feiern sind lange, berauscht und freudvoll. Als Gast gilt es natürlich dennoch, das eine oder andere zu beachten. Ein Plus: Als junge, unvermählte Frau darfst du auch in einem märchenhaften Kleid erscheinen. Egal, welches Kleid du trägst – die Wahrscheinlichkeit, dass du ein türkisches Brautkleid übertrumpfst, ist sehr gering. Ähnlich wie bei einer österreichischen Hochzeit ist der Autokorso vom Haus der Brauteltern zur Hochzeitslocation. Als Geschenke an das Brautpaar ist Geld – meist in großen Summen – üblich. Verwandte schenken auch Schmuck oder Reisen. Die Geschenke werden der Reihe nach überreicht und ein Moderator teilt der gesamten Gesellschaft mit, was geschenkt wurde. Geiz ist an diesem Tag also nicht ratsam. Und brauchst du Alkohol als soziales Schmiermittel, musst du an dieser Stelle enttäuscht werden: Auf einer traditionellen türkischen Hochzeit wirst du keinen finden. Aber berausche dich einfach durchs Tanzen. Getanzt wird auf türkischen Hochzeiten nämlich viel, gern und bis spät in die Nacht.

Bei Hochzeiten in der Türkei steht die Familie im Mittelpunkt © hreniuca


Mexikanische Hochzeitsglocken

Auch in Mexiko feiert man Hochzeiten gerne möglichst groß. In ländlichen Gebieten nimmt nicht selten das ganze Dorf an den Feierlichkeiten teil. Zwischen einer österreichischen und einer mexikanischen Hochzeit gibt es dabei viele Parallelen: die Braut trägt weiß, es gibt Trauzeugen (jedoch insgesamt vier) und auch Ringe werden getauscht. Was es nicht gibt: Spiele, Streiche und meist auch keine Reden. Im Grunde kannst du dir eine mexikanische Hochzeit wie eine ausgelassene Party vorstellen. Ein beliebter Brauch ist der “vibora del mar”. Dabei bildet das Brautpaar mit seinen Armen einen Bogen, unter dem die Hochzeitsgäste durchschreiten. Meist heißt es dabei ladies first. Erst nach allen anwesenden Damen kommen die männlichen Gäste an die Reihe.

Gute Musik und ausgelassenes Tanzen sind fixe Bestandteile der klassischen mexikanischen Hochzeit © Joaquin Corbalan


Guide zur russischen Hochzeit

Sehr romantisch geht es auch bei russischen Hochzeiten zu. Eine solche unterscheidet sich in vielerlei Punkten und Traditionen von einer Hochzeit hierzulande. Als Gast solltest du etwa nicht irritiert sein, wenn die Hochzeitsgäste mehrmals während des Tages „Gorka!“ zu rufen beginnen. Das bedeutet übersetzt „bitter“ und fordert das Brautpaar auf sich zu küssen. Pro Sekunde, die der Kuss dauert, wird dem Brautpaar ein bitteres Jahr weniger beschert. Auch wenn es nach einem Stereotyp klingt – auf russischen Hochzeiten wird durchaus gerne Wodka getrunken. Fühle dich nicht verpflichtet, mitzutrinken. Jedoch darfst du auch nicht irritiert sein, wenn die Gastgeber hartnäckig bleiben, das ist nämlich ein Zeichen der Höflichkeit. Was du keinesfalls tun solltest ist, ein Glas anzunehmen, dann jedoch wegzuschütten. Das gilt als grobe Beleidigung. Eine fixe Tradition ist das Versteigern des Brautschuhs. Dabei ist es üblich, dass die Gäste den „gestohlenen“ Schuh wieder freikaufen. Grundsätzlich ist es ein guter Tipp, Bargeld zu einer russischen Hochzeit mitzunehmen. Bei sehr traditionellen Feiern kann es sein, dass du als unverheirateter, männlicher Hochzeitsgast dazu aufgefordert wirst, die Hochzeitssuppe zu servieren – und das in Verkleidung als Koch!

Was als Geschenk erwünscht ist, wird meist schon auf der Hochzeitseinladung erwähnt. Geld steht dabei auf Platz eins. 50 Euro sind das Minimum pro Erwachsenem. Als Faustregel gilt jedoch: Je näher du dem Paar stehst, desto teurer fällt das Geschenk aus.


In Russland bekommt das Brautpaar Brot und Salz geschenkt. Wer hier das größere Stück abbeißt (ohne Einsatz der Hände) hat in der Ehe die Hosen an © Satura


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