Reisen im Kopf

Die schönsten Reiseziele in Büchern

Zwar können wir derzeit nicht selbst in den Zug, Flieger oder unser Auto steigen und verreisen, doch gibt es nach wie vor die Möglichkeit, eine Reise im Kopf anzutreten. Hier findest du Tipps zu Büchern, in denen dich die Heldin oder der Held auf eine wundersame Reise in ein fernes Land mitnehmen

09:11 Uhr, 09. April 2020

Lesen ist Reisen im Kopf © Milenko Đilas

Wundersame Welt hinter Schranktüren

Welcher ist der berühmteste Kleiderschrank der Welt? Vermutlich weiß hier jeder sofort, wovon die Rede ist: der Kleiderschrank des alten Digory Kirke, der die Kinder Peter, Susan, Edmund und Lucy nach Narnia reisen lässt. Der Film "Der König von Narnia" erfreute sich großer Beliebtheit und hat auch dem bereits beliebten Buch zu einer noch größeren Fangemeinde verholfen. Wer "Die Chroniken von Narnia" noch nicht gelesen hat und sich dem Genre "Fantasy" prinzipiell auch nur ein bisschen zugewandt fühlt, dem sei dieses Buch hier wärmstens empfohlen. Die Lust am Entdecken dieser neuen Welt wird gefühlvoll und ausdrucksstark an den Leser weitergegeben. Das Buch eignet sich sowohl für kleine als auch große Kinder und macht es so geradezu perfekt zum Vorlesen. Darüber hinaus sind bei weitem nicht alle Geschichten aus den Chroniken von Narnia verfilmt worden - bislang nur drei von sieben. Also erwartet auch Kenner der Filme viel Neues. Außerdem ist das Buch selbstverständlich - wie fast ausnahmslos immer - ohnehin besser.

Insel der Götter

Etwas fordernder ist da der Lesestoff der Islandsagas. Je nach Übersetzung, und je nachdem, wie stark der Originaltext gebeugt wurde, wird der Leser hier mit einer ganz eigenen Erzählweise konfrontiert. Das wird schon bei den ersten Sätzen klar. Hier ein Beispiel: "Ein Mann hieß Porsteinn. Sein Vater war Egill, Sohn des Skala-Grím, der war Sohn des Kveld-Úlf, eines Herrschers aus Norwegen." Wer sich aber auf diese ungewohnte Erzählart einlässt, wird reich belohnt. Die Islandsagas berichten von der Besiedelung Island und Grönlands, von gefahrvollen und abenteuerlichen Reisen und altertümlichen Gesetzen und Bräuchen. Nicht zuletzt darf auch ein Hauch des alten Glaubens, großer Götter und rauer Fantasie nicht fehlen.

Ein Abstecher ins alte Skandinavien gefällig? Dann steck deine Nase zwischen die Seiten der Islandsagas © Oleg Senkov

Von Frankreich nach Japan

Auch wer Romantik mag, soll hier fündig werden! Der Lesestoff, der hier empfohlen wird, ist jedoch keine dumpfe, abgegriffene Liebesgeschichte, sondern eine feinsinnige Erzählung mit überraschendem Ende: "Seide" von Alessandro Baricco. Der mit 131 Seiten hier dünnste vorgestellte Roman berichtet über den französischen Seidenraupenverkäufer Hervé Joncour, der sich auf die Reise nach Japan begibt, um seine Ware zu erstehen. Ein spannendes Abenteuer beginnt, bei dem der verheiratete Joncour sich Hals über Kopf in eine Fremde verliebt.

Rundreise durchs alte Europa (nicht ganz geschichtsgetreu)

Bei diesem Buch ist schon der Name des Autors Empfehlung genug: "Baudolino" von Umberto Eco. Die Romane des italienischen Schriftstellers genießen zurecht weltweite Berühmtheit. Allen voran sein Werk "Der Name der Rose". Etwas weniger als 200 Jahre zuvor trägt sich die Handlung von Baudolino zu, dem gleichnamigen Abenteurer, der einem byzantinischen Historiker seine Lebensgeschichte erzählt. Und diese hat es in sich. Eine unglaubliche Reise durch Europa und darüber hinaus, ausgeschmückt mit fantastischen Elementen. Ein Schelmenroman, bei dem der Leser nie ganz sicher ist, ob Baudolino dem Lauscher seiner Biografie nun anflunkert oder die Wahrheit erzählt. So oder so - dieses Abenteuer ist es unbedingt wert, gelesen zu werden.

Baudolino führt seinen Leser quer durch Europa und darüber hinaus © Titel

In eine gewebte Welt ...

Düster, sinister und spannend geht es in Clive Barkers "Gewebte Welt" zu. Der britische Schriftsteller wurde vor allem durch seine Horror-Erzählungen wie die Bücher des Blutes oder Hellraiser einer breiten Fangemeinde bekannt. Auch seine Fantasy-Geschichten sind zurecht begehrt, auch in diesen finden sich eindeutige Horrorelemente. Freunde des gepflegten Gruselns werden daher durchaus mit seinem Fantasy-Werk "Gewebte Welt" zufriedengestellt. In diesem geht es um die Rettung einer Welt, die in einem gewebten Wandteppich versteckt ist, und um die Reise in diese. Ein Ausflug, der sicherlich nicht so schnell vergessen wird.

Auf Besuch beim jungen Dalai Lama

Wer es gerne realitätsnah mag und daher bei den bisher empfohlenen Titeln nicht fündig wurde, dem sei hier der Reisebericht von Heinrich Harrer empfohlen, "Sieben Jahre in Tibet". Der ausgezeichnete Film sollte auch hier wieder jedem zumindest ein Begriff sein - das Buch gilt es nun zu entdecken. Bei Erscheinung des Werkes durfte sich Harrer zurecht über großen Erfolg freuen. Immerhin liefert die Erzählung überaus spannenden, berührenden und stellenweise sogar lehrreichen Lesestoff. Dass Harrer kein Romancier ist, merkt man zwar - doch das tut der Qualität der erzählten Geschichte keinen Abbruch. Eine wundervolle Erzählung, die in das ferne Land Tibet zwischen 1944 und 1951 entführt und einen nachhaltigen Eindruck von Kultur, Geschichte und Bewohnern bietet.


Mit Heinrich Harrer ins alte Tibet © yury birukov


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