Kroatien

Wilde Jagt auf den Frühling

Karneval an der Adria. Zu den berühmtesten Bräuchen in der Kvarnerbucht zählen die Umzüge der Zvoncari. Sie vertreiben lautstark den Winter.

Von Andrea Steiner 11:26 Uhr, 05. February 2017

Sie sind wild, sie sind bunt und sie sind laut: Schließlich sollen sie mit ihrem Lärm den Winter aus dem Alpen-Adria-Raum vertreiben. Das ist eine der Legenden, auf deren Ursprung sich die Zvoncari berufen. Die andere erzählt vom Vertreiben einfallender Türken oder Tataren, die mangels Waffen von Hirten mit Schaffellen, unheimlichen Tiermasken und lauten Glocken erfolgreich verjagt wurden.

Wie dem auch sei – die Glockenträger, wie die Zvoncˇari aus der Region Kvarner übersetzt heißen, haben es mit ihren Riten und Tänzen zur Karnevalszeit geschafft, in das immaterielle Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen zu werden. Acht Dörfer rund um Rijeka stellen die echten Zvoncˇari. Diese Ehre ist nur volljährigen Männern vorbehalten, von denen ein Elternteil bereits im Heimatort geboren wurde. Dabei hat jedes Dorf seine eigene Verkleidung: Es gibt die Halubajski und Grobnicki Zvoncari mit grimmigen Tiermasken, die blumengeschmückten Rukavacki und Zvonejski Zvoncari sowie die Munski und Zejanski Zvoncari, deren Kreppbandhüte vom Scheitel bis zur Sohle reichen. Begleitet werden alle von den sogenannten Partenjaki (Kinder und Frauen), einem Zeremonienmeister, Musikanten und, je nach Dorftradition, von Teufel, Bär und tattrigen, alten Weibern, die ebenso von Männern gespielt werden. Ursprünglich hatten die Männer auch Beutel mit Asche dabei, mit ihr sollte der Fruchtbarkeit auf die Sprünge geholfen werden. Denn damit wurde das weibliche Publikum beworfen! Von diesem Detail ihres Brauches haben sich die kroatischen Glockenträger inzwischen verabschiedet.

Die berühmtesten Zvoncari kommen aus dem Dorf Halubje. Sie sind mit ihren charakteristischen Tierlarven ein Teil des immateriellen Weltkulturerbes. Während der Karnevalszeit marschieren die Männer, die alle mit weißen Hosen, blauweißen T-Shirts, roten Halstüchern, Schaffell, Axt und Tiermasken oder Krepphüten bekleidet sind, von Dorf zu Dorf. Die Route ist seit Jahrhunderten gleich, begonnen wird am ersten Sonntag im Fasching. An den folgenden Sonntagen – bis Aschermittwoch – bestreitet jeweils eine andere Gruppe eine weitere Tour. Die Märsche sind anstrengend und bis zu 40 Kilometer lang. Das rhythmische Geläut der am Gürtel befestigten Glocken dringt dabei durch Mark und Bein. Gesteuert wird es durch einen speziellen Gang sowie rituelle Tänze. Viele der Einheimischen können die verschiedenen Gruppen an der Art des Glockenklangs erkennen.

Gelegenheit, die Zvoncari (sprich: Swontschari) hautnah zu erleben, bietet sich am Faschingswochenende in der Kvarnerbucht: Am 25. Februar treffen sich um 13 Uhr die traditionellen Gruppen in Matulji am Bahnhof Matulji-Opatija. Am Faschingssonntag laufen die Zvoncari beim internationalen Karneval von Rijeka mit.


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