In einem vergessenen Garten Eden

Von der romantischen Museumstramway über ein verlassenes Grand Hotel bis zu einem Ungeheuer führt ein neues Buch durch vergessene Paradiese.

Von Ulrike Greiner 11:32 Uhr, 12. Oktober 2018

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  • Es war sicher sehr schön und hat ihn sehr gefreut: Im Grand Hotel Innichen im heutigen Südtirol urlaubte einst Kaiser Franz Joseph
  • Nostalgie im Grünen: Die letzten Straßenbahnmeter in Klagenfurt führen mitten in ein Naturschutzgebiet am Wörthersee
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Ihren Streifzug durch „Vergessene Paradiese“ – so der Titel der neuesten Publikation – beginnen Georg Lux, Deskchef der Kleinen Zeitung, und Kleine-Fotograf Helmuth Weichselbraun in Kärnten. Das Kapitel über die kürzeste Tramstrecke im Alpen-Adria-Raum, die den Klagenfurter Lendkanal entlang bis ins Naturschutzgebiet Lendspitz-Maiernigg führt, wird von „Schufti“ eingebellt. Der Mischlingsrüde aus Annabichl dürfte bis heute der prominenteste Schwarzfahrer der Stadtbahn gewesen sein, welche die Landeshauptstadt einst durchquert hat. Großmütter wussten ihren inzwischen selbst ins Großmutter-Alter gekommenen Enkelkindern von diesem Hund und seinen Ausflügen noch zu erzählen. Ins Buch von Lux und Weichselbraun hat die Anekdote, die auf einer wahren Geschichte beruht, jetzt einen unvergessenen Eingang gefunden.

Vergessene Paradiese

„Vergessene Paradiese“ haben Autor und Fotograf, seit mehreren Büchern über „Lost Places“ ein eingespieltes Team, für ihren jüngsten Streich besucht. In Innichen sind sie auf eine malerische Ruine gestoßen, in der sich die Schönen, Reichen und Mächtigen ein Stelldichein gaben. Nur mehr wenig zeugt von der verlorenen Pracht des Grand Hotels, in dem Kaiser Franz Joseph I. und sein preußischer „Kollege“ Kaiser Friedrich III. ein paar Tage unbeschwerter Sommerfrische genossen. Zwei Weltkriege und ein paar Jahrzehnte später stehen von der Nobelherberge lediglich einige pittoreske Mauern, die man sogar noch verkaufen möchte. Doch die Millioneninvestitionen dürften potenzielle Interessenten ebenso abschrecken wie die Tatsache, dass das Haus unter Denkmalschutz steht und sich darüber hinaus in einem Naturpark befindet.

Auf ein sagenhaftes Ungeheuer trifft man im italienischen Raccolanatal, in dem der Goriuda-Wasserfall von einem Felsvorsprung frei in die Tiefe stürzt. In der riesigen Halbhöhle dahinter soll ein Menschenfresser gehaust haben, dem von einem beherzten Mann mit einer Schrotflinte, deren Munition durch eine Osterkerze und eingeritzte Kreuze in den Kugeln aufgepeppt wurde, der Garaus gemacht wurde. Wie auch immer! Der Ort muss etwas Magisches und zugleich Unheimliches an sich haben. Lux und Weichselbraun fühlen sich an Mittelerde aus „Der Herr der Ringe“ erinnert.

Das letzte Drittel des Buches widmet sich Slowenien. Hier verweilt das Duo Autor/Fotograf in den Salinen von Se(c)ovlje. In die Zeit des Booms des begehrten „weißen Goldes“ wird man im Salzgartenmuseum zurückversetzt, das als einziges intaktes Haus unter lauter Ruinen gleich ins Auge sticht. Wer mehr an Natur als an Geschichte Interesse findet, ist in Se(c)ovlje trotzdem gut aufgehoben. Die Salinen liegen in einem Naturschutzgebiet, das mehr als 270 Vogel- sowie 650 Schmetterlingsarten Heimat bietet. Auch Sumpfschildkröten kann man mit etwas Glück sehen. Se(c)ovlje ist ein schönes Beispiel dafür, wie aus einem vergessenen Paradies ein neues hervorgegangen ist.

Buchtipp!

  • Das Buch. „Vergessene Paradiese – Entdeckungen, Ausflüge, Abenteuer im Alpen-Adria-Raum“, Georg Lux und Helmuth Weichselbraun, Styria-Verlag, 192 Seiten, 23 Euro.
  • Die Präsentation. Dienstag, 16. Oktober, 18 Uhr, Planetarium Klagenfurt, Villacher Straße 239. Musikalische Umrahmung durch Marko Kobal, Bariton der Laibacher Oper, und Toma(z) Plahutnik auf der Zither. Weine aus Slowenien, Bier aus Kärnten.
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Vor dem Vergessen bewahrt

Georg Lux und Helmuth Weichselbraun haben sich auf eine abenteuerliche Suche nach vergessenen Plätzen in der Alpen-Adria-Region gemacht.

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Ulrike Greiner

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