Slowenien

Der weiße Fleck ist ganz schön bunt

Der Karst. Das sagt sich leicht, klingt gut und ist trotzdem weitgehend unbekanntes Terrain. Elisabeth Tschernitz-Berger hat den weißen Fleck bereist und ein genussreiches Karstbuch geschrieben.

Von Uschi Loigge 09:17 Uhr, 19. February 2017

Vergessene Buchten, kristallklares Wasser, versteckte Karsthöfe und urige Typen – seit Jahren ist Elisabeth Tschernitz- Berger „rechts und links der Grenze“ im slowenisch-italienischenUmland von Triest unterwegs. Der Gedanke, ihre Entdeckungen zwischen Buchdeckeln zu versammeln, kam der Journalistin (Tschernitz war 37 Jahre lang Wirtschaftsredakteurin der Kleinen Zeitung) beim Stöbern in anderen Büchern: „Über Istrien und Friaul gibt es jede Menge, allerdings endet das meiste in Gradisca d’Isonzo. Und der Karst ist ein weißer Fleck“, lautete ihre Erkenntnis. Zwei Jahre, Hunderte Autokilometer und Tausende Kalorien später schrumpft der weiße Fleck. Im druckfrischen Band „Genießen im Karst“ (mit einladenden Fotos von Karlheinz Fessl) hat die Autorin mehr als 300 Adressen versammelt. Sie führt zu den besten regionstypischen Lokalen an der Küste und im Hinterland, porträtiert ungewöhnliche Produzenten, sucht die Gemeinsamkeiten der Karst- mit der k. u. k. Küche und findet Kaffeehauskultur, freundliche Menschen und Geschichten. Für einen raschen Überblick gibt es jeweils „die besten fünf“ Osmize, Schlösser, Grotten, Badestrände und mehr. Da kommt man dann aus dem Schmökern wirklich kaum mehr heraus. Der Einfachheit halber und zum Gustieren verrät Elisabeth Tschernitz-Berger hier ihre persönlichen Top Ten.

1. Pescaturismo (Villaggio del Pescatore). 2002 der erste „Agriturismo für Fische und Meerestiere“. Zufahrt über Schlaglöcher und eine Lage wie im Bilderbuch. Spezialität: gebackene Muscheln.

2. Milic Agriturismo. Der Hof (zwischen Rupinpiccolo und Rupingrande) ist seit über hundert Jahren in Familienbesitz. Typische Gerichte wie Mlinci,Sˇ truklji etc., die Töchter servieren in bunten, wallenden Kleidern.

3 .und 4. Ex aequo die Gostilna Ravbar (Dutovlje) und die Okrepcevalnica Ruj (Dutovlje), wo mit Peter Patajac einer der besten Köche Sloweniens für maximal 30 Gäste aufkocht.Nur was es gerade frisch gibt,kommt hier auf den Tisch.

5. Antico Panada. Am Canal Grande in Triest. Unscheinbar, aber dank der zwei DamenamHerd einederbesten Adressen für Fischfreunde.

6. Bocche del Timavo. Ein mystischer Ort, in dessen Nähe der Karstfluss Timavo nach rund 30 unterirdischen Kilometern wieder an die Oberfläche kommt.

7. Le Torri di Slivia. Stilvolle Osmiza mit privater Grotte, die man gegen Voranmeldung besichtigen kann. 8.Dean Verginella. Diese Osmiza ist nur zu Fuß zu erreichen. Sehr einfach, opulente Jause, Blick überdenGolf von Triest bis Istrien.

9. Weinbauer Josko Rencel inDutovlje experimentiert gerne. Sein Pinot noir hat Herzkirschenaroma. Verwendet wird noch ein Fass aus dem Ersten Weltkrieg. Soldaten haben es hier deponiert, um es bei der Rückkehr wieder abzuholen. . .

10. Cesca Casalinghi in Triest. Das um 1900 gegründete Haushaltsgeschäft sticht alles aus:EsgibtHunderte Ausstechformen für Kekse und anderes – vom Totenkopf bis zum Bierkrügerl. Nur hineinzuschauen ist schon ein Gewinn.


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