Kroatien

Auf der Fährte Winnetous am Balkan

Spurensucher, aufgepasst: Beinahe auf Schritt und Tritt kann man in Kroatien Drehorte aus der goldenen Zeit des deutschen Populärfilms entdecken. Eine Spurensuche zum zweifachen Karl-May-Jahr.

Von Karin Waldner-Petutschnig 13:43 Uhr, 12. March 2017

Bereits 1965 ist der edle Apachenhäuptling Winnetou filmisch in die ewigen Jagdgründe eingegangen. Damals wurde der dritte Teil des Abenteuerromans von Karl May bei den wildromantischen Plitvicer Seen mit Pierre Brice in der Titelrolle und Lex Barker als Old Shatterhand gedreht. Doch das war nur einer von 18 Karl-May- Filmen, die im einstigen Jugoslawien in den 1960er-Jahren entstanden. Angefangen hatte alles 1962 mit dem „Schatz im Silbersee“. Damals begann die deutsche Filmwirtschaft aus dem sozialistischen Osten den Wilden Westen zu machen. Wo einst die Filmindianer und -gangster den Staub mit Pferdehufen aufwirbelten, sind die Straßen heute zwar asphaltiert, doch die Sonne brennt in Kroatien immer noch fast so Vewie in New Mexico vom Himmel, wo die Blutsbrüder das Böse bekämpften. Und die Natur, großartige Kulisse der Abenteuerfilme, beeindruckt heute wie damals, liegen doch viele der Drehorte mittlerweile in Nationalparks. Neben den Plitvicer Seen, wo auch der zweite Winnetou-Film spielte, ist es vor allem der Nationalpark Paklenica am Fuße des Velebit-Gebirges. Und auch der Nationalpark Krka-Wasserfälle bei Sibenik,wo Old Shatterhand im ersten Teil auf Nscho tschi trifft, bietet Film-Freaks ein Déjà-vu nach dem anderen. Drehorte und Original-Requisiten können Greenhorns in Starigrad-Paklenica, rund 30 Kilometer von Zadar entfernt, finden. Hier, am Eingang zum „Tal des Todes“ (Paklenica- Schlucht), ist ein kleines, aber feines Winnetou-Museum im einstigen Motel Alan eingerichtet, wo die Filmcrews untergebracht waren. Einmal jährlich findet auch einWinnetou-Festival statt. Geführte Touren zu den Originalschauplätzen der Filme machen Bleichgesichter auf cineastischer Spurensuche ebenfalls glücklich. Doch nicht nur in Kroatien lassen sich Drehorte lokalisieren, auch in Montenegro, in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo kann man sie entdecken. Und in der Tropfsteinhöhle von Postojna in Slowenien trat sogar Old Surehand (Stewart Granger) in Aktion.

Als Desperado der literarischen Art verdingte sich der Urheber all dieser Kult-Szenarien: So wenig wie die RockyMountains am Balkan liegen, so wenig war Karl May je in Amerika. Und auch wenn „Durch das Land der Skipetaren“ und „In den Schluchten des Balkan“ im heutigen Albanien angesiedelt ist, kannte der Autor die Region nicht. Dennoch wurde er vor allem mit seinen Abenteuerromanen zu einem der am häufigsten übersetzten deutschen Schriftsteller. Auf rund 200 Millionen Bücher wird weltweit die Auflage seiner Werke geschätzt. Neben dem 175. Geburtstag gedenkt seine Fangemeinde heuer auch seines 105. Todestages. In Karl Mays Sterbeort Radebeul, der seinen großen Sohn mit jährlichen Festtagen würdigt, befindet sich sowohl ein Karl- May-Museum als auch der 1915 gegründete Karl-May-Verlag. Zur Renaissance des Schriftstellers aus Sachsen tragen bubenhafte Nostalgiker wie Armin Wolf, Thomas Glavinic, Thomas Maurer und Guido Tartarotti bei, die im Wiener Rabenhof als „Blutsbrüder“ auftreten. Und auch der bekennende Karl-May-Fan Konrad Paul Liessmann dürfte wohl Sam Hawkens, dem schlitzohrigen Trapper an Old Shatterhands Seite, zustimmen, wenn er sagt: „Winnetou wird ewig leben, wenn ich mich nicht irre ...“


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