Anflug auf einen Spielplatz der Natur

Wer Wale, Weite und Wasserfälle mag, der kommt in Island auf seine Rechnung. In einem Wohnmobil lässt sich die Insel familien- und (relativ) kostenfreundlich erkunden.

11:45 Uhr, 12. Oktober 2018

Auf einen Sprung in den Sommer

Viel zu teuer? Muss nicht sein. Viel zu überlaufen? Muss nicht sein. Viel zu kalt? Viel zu oft Regen? Muss nicht sein.

Natürlich können sämtliche Klassiker der touristischen Vorurteilsliteratur eintreffen, wenn man den hohen Norden als Urlaubsdestination wählt. Gottgegebene Selbstverständlichkeit ist es aber keine. Auch Island muss eine vierköpfige Familie nicht an den Rand einer Privatpleite führen, nicht überall auf der Insel drängen sich Besuchermassen und ja – es gibt Sommerwochen, in denen es (verhältnismäßig) warm und trocken ist. Gut für den Gast, schlecht für die Gletscher. So schwitzt und schmilzt der Vatnajökull, Europas größter Gletscher im Südosten Islands, bedenklich und spuckt unablässig Eisberge in den Jökulsárlón, einen Gletschersee, der direkt an der Küste liegt. Die Fahrten mit den wuchtigen Amphibienfahrzeugen, die nach wenigen Metern holpriger Landpartie elegant ins eiskalte Gletscherwasser und dann zwischen den Eisbergen dahingleiten, gehören zwar tagsüber zu den hoch frequentierten Ausflugszielen der Insel. Während der Sonnenauf- und -untergänge hat man die Kulisse aber fast für sich alleine – und man kann mit dem Nachwuchs auf eine (waffenlose) Jagd gehen: Wer entdeckt mehr Robben?

Die Tiere recken ihre neugierigen Nasen nicht nur immer wieder im spiegelglatten See aus dem Wasser, sondern scheinen auch zwischen den Richtung Meer abfließenden, sich immer wieder aufstauenden, herumwälzenden und auseinanderbrechenden Eisbergen ihren Spaß zu haben.Island

Der Spielplatz Natur geizt auch andernorts auf der Insel nicht mit seinen Reizen. Auch das macht Island so kinderfreundlich. Die Küstenlandschaft mit ihren unzähligen, mit schwarzem Sand vollgefüllten Buchten, den kantigen Felstürmen und den endlose Aussichten liefernden Bergrücken gleicht überdimensionierten Kletterparks. Das dichte Netz an (sparsam, aber ausreichend ausgestatteten) Campingplätzen für das gemietete Wohnmobil verströmt jene Abenteuerluft, die Kinderaugen leuchten lässt. Noch heller funkeln sie ein paar Fahrstunden weiter im Norden. Sich regelmäßig fast in Griffweite aus dem Wasser biegende Flossen sind der Grund: Whale Watching – das Beobachten der Wale in der Bucht vor Húsavik toppt sogar die Begeisterung des Sohnemanns für die mordsmäßig großen Außenborder am Boot. Geheimtipp sind die mehrstündigen Touren zwar längst nicht mehr, aber dafür lässt sich ein paar Buchten weiter, in einem der spektakulärsten Naturthermalpools der Insel Islands, Einsamkeit wieder unverdünnt spüren: Am Ende einer kleinen Landzunge kleben zwei kleine Badebecken am engen Uferstreifen. Ungestört kann man der Sonne hier beim Schlafengehen zuschauen. Unter einem Sternenhimmel träumt die Tochter dann ihrem sehnlichsten Urlaubsglück entgegen: einer Reittour auf einem Islandpferd. Ihr Lachen nach dem Ausritt verrät: Das Pferd versteht seinen Job.

Island

Beim Abendessen mit Blick auf den Dettifoss, Europas größten Wasserfall, dann das ultimative Familienratespiel: Wer schafft es, nach einem kurzen Blick auf die Karte den Namen jenes Vulkans fehlerfrei zu buchstabieren, dessen Ausbruch vor acht Jahren den internationalen Flugverkehr lahmlegte? Es schafft niemand. Kein Wunder – bei Eyjafjallajökull.

Infobox!

  • Island ist flächenmäßig so groß wie Österreich und Slowenien zusammen, hat aber nur 350.000 Einwohner.
  • Tipps: kostengünstige Anreise via Oslo mit Billigfluglinien. Inseltour mit 4WD-Fahrzeug, Wander- oder Reittouren abseits der hoch frequentierten Inselrundreiserouten.

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